Deswegen sollte man nie Münzen nehmen, die auf einen Grabstein gelegt wurden

Auf einem Friedhof sind überall berührende Hommagen an die Verstorbenen zu sehen. Blumensträuße werden liebevoll auf Grabstätten gelegt, ebenso Schmuckstücke von sentimentalem Wert. Auf den Steinen selbst stehen oft Angaben über das Leben der Verstorbenen. Aber wer sie nicht bemerkt hat, sollte nächstes Mal auf dem Friedhof prüfen, ob funkelnde Gegenstände zu finden sind. Falls man sie findet, wird man bei näherer Betrachtung feststellen, dass es sich um glänzende Münze handelt. Und sie befinden sich da aus einem wirklich ergreifenden Grund.

So, wo findet man diese Münzen auf den Grabstätten? Sind sie leicht zu sehen? Nun, in den meisten Fällen wird das Geld auf die Grabsteine gelegt. Und obwohl dies seltsam aussehen mag, ist es tatsächlich eine ziemlich weit verbreitete Praxis – eine, die auf vielen Friedhöfen in den USA stattfindet. Aber das ist nicht alles.

Wer diese Grabsteine genauer betrachtet, wird wahrscheinlich eine Vielzahl von Münzen von unterschiedlichem Wert entdecken. Es könnte zum Beispiel eine Mischung aus 10-Cent-Münzen oder 1-Cent-Münzen geben, die am Rand der Grabmarkierung ruhen. Scheint ziemlich willkürlich, oder? Es ist fast so, als hätte jemand gerade seine Taschen geleert.

Aber es ist eigentlich keine zufällige Zusammenstellung von Geldstücken. Die verschiedenen Münzen haben für diejenigen, die ihre Verstorbenen auf dem Friedhof begraben haben, eine ganz besondere Bedeutung. Und wenn man etwas mehr über die Bedeutung dieser Tradition weiß, wird man die Vierteldollar-Münz in Zukunft ganz anders betrachten.

Wohlgemerkt, Münzen sind natürlich nicht die einzigen Dinge, die auf einem Friedhof zu finden sind. Wer einen Friedhof genauer betrachtet, wird sicher auch andere Gegenstände bemerken, die auf den Rasenflächen und den Grabsteinen abgelegt wurden und die an die Verstorbenen erinnern sollen. Während dies auf den ersten Blick mehr nach Dekorationen aussehen mag – vielleicht solche, die Trauernden etwas Trost bieten soll – ist dies nicht immer der Fall.

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Also, was bedeuten alle die Gegenstände? Beginnen wir mit dem wohl traditionellsten Andenken neben Grabsteinen. Damit meinen wir natürlich Blumen. Blüten sind eine schöne Art, einen geliebten Menschen zu ehren und können auch dazu dienen, die Umgebung etwas aufzuhellen. Aber was hat diese Praxis angekurbelt? Wann wurde sie zur Tradition?

Nun, diese Tradition reicht bis in die Antike zurück, als die Menschen in Griechenland ihre toten Soldaten ehren wollten. In einem Brauch, der als „Zoai“ bekannt ist, wurden Blumen um ein Grab gelegt, und die Trauernden überwachten sie dann. Nette Geste.

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Von da an war es im Wesentlichen ein Wartespiel. Wenn sich die Pflanzen auf der Grabstätte öffneten und blühteten, wurde angenommen, dass der Geist des Verstorbenen im Jenseits eine gewisse Zufriedenheit erreicht hatte. Es ist nicht ganz so einfach, wie eine Münze auf einem Grabstein zu legen, aber die Griechen schienen darauf zu schwören.

Jedenfalls haben auch die Römer die Tradition übernommen – obwohl die Bedeutung etwas anders war. Anstatt Blumen als spirituelles Zeichen zu verwenden, sahen sie es als Geschenk, mit denen sie ihren verstorbenen Lieben beschenken konnten. Wieso das? Nun, sie waren der Meinung, dass menschliche Seelen nach dem Tod in der Nähe ihrer Grabstätten verweilten.

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So wurden Blumen und andere Andenken zu den Grabstätten gelegt. Und die Blüten haben auch eine zusätzliche – wenn auch weniger appetitliche – Rolle gespielt, denn durch sie roch die Luft während des Zersetzungsprozesses etwas süßlicher. Nicht so schön. Aber wir sollten auch noch etwas anderes erwähnen. Es gibt Hinweise, dass diese Tradition vielleicht noch weiter zurückreicht als in die griechischen und römischen Zeiten.

Ja, im Jahr 2010 wurde eine Entdeckung gemacht, die darauf hindeutet, dass Spanier seit dem Jungpaläolithikum Blumen an Grabstätten platzieren. Wow! Konservierter Pollen wurde in einer Krypta in der El Mirón-Höhle in Kantabrien gefunden. Und diese botanischen Überreste waren mindestens 16.000 Jahre alt. Nein, das ist kein Tippfehler.

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Wie bedeutend ist diese Entdeckung? Nun, eine Forscherin an der Universität des Baskenlandes kann es uns sagen. María José Iriarte-Chiapusso kennt sich in der Disziplin der Paläobotanik gut aus. Und zusammen mit den Kollegen Alvaro Arrizabalaga und Gloria Cuenca-Bescós hat sie eine wissenschaftliche Arbeit über den Fund geschrieben.

Iriarte-Chiapusso sagte über die Menschen, die einst in diesem Teil Spaniens lebten: „Sie haben ganze Pflanzen auf das Grab gelegt. Es war jedoch nicht möglich zu sagen, ob das Ziel der Platzierung der Pflanzen ein rituelles Opfer für den Toten war oder ob es einem einfacheren Zweck diente – wie zum Beispiel, um die schlechten Gerüche abzuwehren, die mit der Beerdigung verbunden sind.”

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Außerdem konnten Iriarte-Chiapusso und ihre Kollegen die Farbe der Flora identifizieren. Sie fuhr fort: “Mit ihren kleinen, im Allgemeinen weißen oder gelblichen Blüten würden wir sie heute nicht als bunte Pflanzen betrachten.” Aber selbst wenn das Grün nicht das schönste der Welt war, ist es dennoch beeindruckend, dass wir so viel über eine Praxis wissen, die vor Tausenden von Jahren stattfand.

Es ist auch fair zu sagen, dass es den Brauch schon sehr lange gibt. Aber seltsamerweise nahm er in den USA offenbar erst nach dem Ende des Bürgerkriegs Gestalt an. Das sagt der Geschichtsexperte Jay Winik, weiter behauptet er, dass der Tod von Abraham Lincoln der Katalysator dafür gewesen sei.

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Winik schrieb: „Auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihren Kummer [für Lincoln] auszudrücken, haben unzählige Amerikaner Blumensträuße besorgt. Flieder, Rosen und Orangenblüten – alles, was im Land blühte. So wurde eine neue Tradition geboren: Blumen bei einer Beerdigung niederzulegen.“

Aus diesem Grund entstand der Tag der Dekoration im Jahr 1868 – obwohl viele ihn vielleicht besser als Memorial Day (Gedenktag) kennen. Aber Blumen schmücken nicht nur die Grabstätten derer, die im Dienst für ihr Land gestorben sind. Sie werden auch auf den Grabstätten anderer Verstorbener gefunden. Wie Winik sagte, wurde es eine Tradition.

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Doch hat die Blumenauswahl eine bestimmte Bedeutung? Ja, ähnlich wie bei Münzen auf Grabsteinen haben verschiedene Blumensorten ihre eigenen Botschaften. Vielleicht sollte man also etwas besser auf die Auswahl eines Blumenstraußes beim nächsten Friedhofsbesuch achten.

Kamelienblüten sollen zum Beispiel Zuneigung zu Verstorbenen ausdrücken. Das ist anscheinend auch bei Nelken und roten Rosen der Fall. Narzissen hingegen vermitteln laut einem Artikel der Zeitschrift Southern Living aus dem Jahr 2019 „Wiedergeburt und Hoffnung“. Und das macht Sinn, wenn man bedenkt, dass diese gelben Blüten normalerweise im Frühling erblühen.

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Man findet jedoch nicht nur Blumen in der Nähe von Grabstätten. Es besteht eine sehr gute Chance, dass man auch ein paar Kieselsteine auf den Grabsteinen entdeckt. Aber gibt es einen tieferen Grund dafür, der über die bloße Dekoration hinausgeht? Natürlich.

Diese Praxis hat wieder ihre Wurzeln in der Antike. In der fernen Vergangenheit wurden Steine verwendet, um Leichen vor herumstreunenden Tieren zu schützen. Sie dienten auch als ein erster Grabstein und signalisierten, wo bestimmte Personen zur Ruhe gelegt worden waren. Diese Anordnungen werden üblicherweise als Hügelgrab bezeichnet.

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Warum tauchen die Steine jetzt immer wieder auf? Einfach ausgedrückt, einige Leute wollen die Routine beibehalten, die ihre Vorfahren angewendet haben, um die Toten zu ehren. Und jeder Kieselstein auf einer Grabstätte repräsentiert anscheinend eine einzelne Person, die vorbeigekommen ist, um Hallo zu sagen. Das könnte erklären, warum bestimmte Grabsteine mit winzigen Steinen übersät sind. Selbst nach dem Tod scheinen diese Menschen immer noch beliebt zu sein.

Und was passiert am Ende mit als diesen Sachen? Nun, Friedhofsverwalter entfernen nach einer Weile die Kieselsteine von Grabsteinen, aber wirklich weggeworfen werden sie nicht. Stattdessen werden die Steine in der Nähe der jeweiligen Parzellen fallen gelassen.

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Blumensträuße verblassen offensichtlich nach einer Weile – da kann man nicht wirklich viel machen. In diesem Fall müssen die Friedhofswärter sie wegwerfen. Jede Blume, die auf einer Grabstätte gepflanzt wurde, kann jedoch von der Person gepflegt werden, die sie dort gepflanzt hat.

Aber was ist mit den Münzen? Werden sie auch irgendwann entfernt? Hier ist ein Rat für zukünftige Friedhofsbesuche. Einfach ausgedrückt: Lasst die Münzen einfach stehen. Diese 1-Cent-, 5-Cent, 10-Cent- und Vierteldollar Münzen sind sowohl für den Verstorbenen als auch für die Person, die sie auf den Grabstein gelegt hat, sehr wichtig.

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Warum? Die Münzen werden normalerweise auf die Grabsteine derer gelegt, die Teil der US-Armee waren. Da es als ein Weg gesehen wird, das Leben eines gefallenen Soldaten zu gedenken. Wie bereits erwähnt, haben die verschiedenen Münzen ihre eigenen speziellen Botschaften, die von denen wissenden entschlüsselt werden.

Anscheinend zeigt die 1-Cent-Münze, dass jemand, der nicht im Militär war, gekommen ist, um dem Soldaten seinen Respekt zu erweisen. Der Sinn ist, die Verbliebenen darüber zu informieren, dass ein Passant vorbeigekommen ist. Mit steigendem Geldwert werden die Bedeutungen jedoch viel persönlicher.

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Eine 5-Cent-Münze auf dem Grabstein zu hinterlassen, bedeutet, dass man mit dem Verstorbenen ins Bootcamp gegangen ist. Die Verbindung wird mit einer 10-Cent-Münze noch enger, da diese Münze besagt, dass man im selben Regiment war. Aber die Vierteldollar Münzen haben zweifellos die ergreifendste Bedeutung von allen.

Wenn man diese Münze auf dem Friedhof hinterlässt, bedeutet dies, dass man anwesend war, als der Soldat sein Leben verlor. Wir können uns nur vorstellen, wie emotional ein Verwandter werden könnte, wenn er einen Vierteldollar auf dem Grabstein sehen würde. Aber jetzt wissen wir, warum die Münzen dort platziert werden. Vielleicht interessiert es einige auch, wie die Tradition begann.

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Die Wahrheit? Wir wissen es nicht genau, aber eine Theorie setzt sich weitestgehend durch. Anscheinend begann der Brauch in den Vereinigten Staaten, während der Vietnamkrieg tobte. Im Verlauf dieses elfjährigen Konflikts starben mehr als 58.000 amerikanische Soldaten.

Und dieser Krieg hat bekanntlich in den 1960er und 1970er-Jahren viele Proteste ausgelöst. Es war größtenteils ein unpopulärer Konflikt – selbst unter einigen von denen, die gedient hatten. Wer also über einen gefallenen Bruder sprechen wollten, musste damit rechnen, dass die Dinge eine unerwünschte Wendung nehmen könnten. Laut einem Artikel des Wadena Pioneer Journal aus dem Jahr 2015 kamen hier die Münzen ins Spiel.

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Die einfache Geste, eine 5-Cent-Münze, eine 10-Cent-Münze oder einen Vierteldollar auf ein Grab zu legen, diente als Erinnerung an die Toten und beseitigte die Möglichkeit, in eine heftige Debatte zu geraten. Das Wadena Pioneer Journal behauptet jedoch, dass die Münzen nicht nur aus diesem Grund aufgetaucht sind. In einigen Fällen wurden sie als “Anzahlung” gesehen.

Rührenderweise wurde das Geld als eine Möglichkeit für Veteranen gesehen, Getränke für ihre verstorbenen Freunde zu kaufen, nachdem diese ebenfalls sterben – oder mit anderen Worten, wenn sie im Jenseits wieder vereint werden. Wie schön! Und wir hoffen, dass Gottes Bar das Warten wert ist. Es gibt jedoch noch etwas zu beachten. Die Verbindung zwischen Münzen und Tod entstand nicht nur während des Vietnamkrieges.

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Laut dem Wadena Pioneer Journal wurden römische Soldaten in der Antike ähnlich geehrt. Und es ist erwähnenswert, dass die Praxis nicht nur gefallenen Soldaten und Frauen vorbehalten war. Einige Familien wollten alle Grabstätten ihrer Nächsten und Liebsten verändern. Das könnte alles an der griechischen Mythologie liegen.

Denen, die seit dem Schulabschluss viel vergessen haben, helfen wir hier auf die Sprünge. Die alten Griechen glaubten, dass Hades, der Herrscher der Unterwelt, einen Bootsmann namens Charon hatte. Charons Aufgabe war es, die Geister der Toten in die Unterwelt zu bringen, und um dorthin zu gelangen, reiste er entlang des sagenumwobenen Flusses Styx. Aber wie bei anderen öffentlichen Verkehrsmitteln war die Fahrt nicht kostenlos.

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Ja, Charon brauchte Münzen von Verstorbenen, um ihnen den Durchgang zu gewähren. Und in der Antike wurde das benötigte Geld entweder auf die Augen eines Toten oder in dessen Mund gelegt. Ohne das Geld würde der Bootsmann den Geist ablehnen und er würde ein Jahrhundert lang auf dem Fluss Styx festsitzen. Huch!

Angesichts der Konsequenzen wollten einige kein Risiko eingehen und hinterließen für alle Fälle Münzen für ihre Lieben. Ziemlich interessant, oder? Und das ist nicht alles. Das Wadena Pioneer Journal hat behauptet, dass eine Familie mit dem Spitznamen „Black Donnellys“ ebenfalls dazu beigetragen hat, die Praxis zu verbreiten.

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Dieser berüchtigte Clan ging nach Ontario, Kanada, nachdem er Irland im 19. Jahrhundert verlassen hatte. Vielleicht war es keine Überraschung, dass 1880 fünf der Donnellys ermordet wurden. Und als diese Familienmitglieder begraben wurden, hieß es, man sollte eine Münze auf ihr Grab legen und sich etwas wünschen. Wenn man der Legende glauben will, haben sich einige Wünsche tatsächlich erfüllt.

Andere Leute glaubten also, dass das Gleiche mit ihren eigenen Verwandten passieren würde – was natürlich bedeutet, dass sie Münzen ablegten und auf das Beste hofften. Und obwohl sich die Gründe für den Brauch in den letzten Jahrzehnten geändert haben mögen, sieht man immer noch Münzen auf Grabsteinen. Viele von ihnen werden auch zu einem bestimmten Anlass platziert.

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Verständlicherweise erweisen die meisten am Memorial Day den Gefallenen ihren Respekt, indem sie ihre 1-Cent-, 5-Cent- oder 10-Cent-Münzen und Vierteldollar auf die Grabsteine legen. Und mit der Zeit werden die Münzen vom Verwalter des Friedhofs eingesammelt, um die Wartungskosten zu decken – vom Grasschneiden bis zur Reinigung der Grabsteine. Die aufmerksame Geste geht sehr weit.

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